Mit powerSPEED zum intelligenten Netz

Lebewesen können soziale Eigenschaften entwickeln und damit ihre Überlebenschancen in einem evolutionären Umfeld verbessern – Gemeinsam sind sie stärker und intelligenter. Je nach Lebensform unterscheidet man zwischen Schwarm-, Hierarchie- und Netzorganisationen.

Insekten, Vögel und Fische organisieren sich vielfach in Schwärmen. Dabei zeigen sie für den Beobachter faszinierende Muster. Die einzelnen  Mitglieder sind dabei nur für ihre räumliche Position innerhalb des Schwarmes verantwortlich. Sie müssen immer das Zentrum des Schwarmes suchen und dürfen dabei eine Abstandstoleranz zu seinen Nachbarn nicht unter- und überschreiten. Das hat bei der Nahrungssuche von Vögel – und Fischschwärmen den Vorteil, dass sie das Umfeld systematisch durchkämmen. So wird der Schwarm eigentlich von Attraktoren gesteuert. Die Kommunikation untereinander erfolgt nicht direkt, sondern über das Umfeld. Bei Termiten ist es nicht die Form des Schwarmes, sondern dessen Bau was so beeindruckend ist. Sie machen dies auch nur aus einem einzigen Grund – nämlich zur Reproduktion. Für einen Termitenhügel existiert kein Bauplan, sondern er ist ein Ergebnis von Schwarmintelligenz. Das ist das Zusammenwirken von Umfeld, Attraktoren und Mitgliedern (viele), die nach einfachsten Programmen arbeiten. Informationstechnisch werden diese auch als zellulare Automaten bezeichnet [Stephen WOLFRAM]. Neben den natürlichen Schwärmen kann man sich auch künstliche Schwärme vorstellen. Im Rahmen des Ars Electronica Festivals 2016 wurde eine Performance mit 100 leuchtenden Drohnen gezeigt. Künstliche Schwarmintelligenz könnte auch Bewusstsein auf der untersten Stufe der räumlichen Orientierung erlangen.

Menschen haben sich über Jahrtausende hinweg in Hierarchien organisiert. Typisch für diese Organisationsform ist die Unterordnung von Mitgliedern. Daraus entstehen Rollen und damit verbundene Aufgaben. In feudalistischen Systemen sind die Rollen vererbt und nicht verdient. Mit der Rolle verbunden sind auch dessen Ressourcen und Macht. Die größte Macht geht damit von den Inhabern der obersten hierarchischen Position aus. Sie können so ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse auch gegen den Willen der Untergebenen durchsetzen. Kommunikation verläuft immer in der Linie von oben nach unten oder umgekehrt, jedoch niemals unter Gleichrangigen. Damit aggregiert sich das gesamte Wissen im Kopf des obersten Führers. Der Austausch erfolgt dabei hauptsächlich durch persönlichen direkten Kontakt. Emotionale Verbundenheit und Angst erzeugen die Stabilität von Hierarchien. Mitglieder in Hierarchien entwickeln eine enorme Sozialintelligenz und haben Bewusstsein auf der Stufe des Sozialen.

Hierarchien haben sich in liberalen Gesellschaften abgeflacht und Angst ist einem Ego-Bewusstsein gewichen. Damit war plötzlich die individuelle Intelligenz (IQ) und Willensstärke wichtig – “I can”.  Die Technologisierung hatte aber schnell einen Komplexitätsgrad erreicht bei dem auch geistige Aufgaben nur mehr in Gruppen gelöst werden konnten. Die Kollektivintelligenz  (CQ) wurde zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor – “We can”. Gruppenintelligenz ist umso höher je besser die Empathiefähigkeit, je ausgewogener die Sprechzeit und je gleichverteilter die Geschlechter der Mitglieder sind. Das Erhöhen der Teilnehmer führt nicht linear zu einer Steigerung des CQ. Auch wenn das Internet das ermöglichen würde. Was den CQ allerdings verbessert ist ein interkultureller Gruppenaufbau – und das geht mit Internet sehr gut. Mark BUCHANAN hat dieses Phänomen untersucht und den Begriff  des “Small World” geprägt.

Netzwerkorganisation haben kein natürliches Vorbild welches auf das Zusammenwirken individueller Lebensformen aufbaut. Obwohl innerhalb von Organismen sind solche Strukturen bekannt und sehr leistungsfähig (Gehirn). Netzwerke sind eine Konstruktion aus Knoten /Aktoren und Kanten /Beziehungen. Das entscheidende Merkmal besteht darin, dass potentiell jeder Teilnehmer mit jedem anderen im Netz kommunizieren kann. Der Datenaustausch erfolgt über codierte Protokolle (IP). Alle sind diesbezüglich gleichwertig und die Lokalität ist global. Aktoren können Menschen mit einer technischen Extension – einem Netzwerksinterface (Smartphone) oder nur rein technische Artefakte (Smart-Meter) sein. Die Entwicklung von künstlicher Intelligenz führt eben auch zu völlig neue Aktoren wie Cyborgs, Roboter, persönlichen Assistenten, usw.

BUCHANAN hat festgestellt, dass man global mit jedem Menschen über maximal sechs Andere in Kontakt kommen kann. Wenn man also den amerikanischen Präsidenten erreichen will braucht es dazwischen nur sechs Knoten. Abgeleitet davon gibt es das “Small World” Konzept. Ein Netzwerkteilnehmer ist dabei mit vielen lokalen Knoten verbunden und hat darüber hinaus einige wenige Fernverbindungen. Das Gehirn ist ähnlich organisiert und Experten finden darin den Grund für Bewusstsein. Das Small World Konzept ist mit Facebook (FB) zwischenzeitlich Realität geworden. Menschen haben in FB hauptsächlich Beziehungen im engeren Kreis (Freunde) und auch wenige Bekannte aus anderen Kontinenten.

small-world-prinzip

 

In FB haben wir fast ausschließlich Beziehungen zu Peers oder favorisierten Medien.  Durch deren Posting werden wir laufend in der Richtigkeit unserer Weltanschauung bestätigt. Es kommen, wenn auch nur selten, Postings von “Artfremden”. Diese werden von uns bewusst ignoriert wie z. B. Werbung für Brennnesseltee. Information die allerdings unbewusst aufgenommen wird, können wir auch nicht ignorieren. Damit sind wir großer Manipulationsgefahr ausgesetzt, was reziprok auf die Netzintelligenz wirkt.

Netzintelligenz bedeutet ein Leben in Real-Time ohne auf jedes PopUp zu reagieren. PopUps sind  Chancen, werden sie nicht genutzt ist das auch kein Problem, weil sofort die Nächsten kommen. Dafür braucht es dann Spare-Brain-Capacity – warten auf die Beute und Kraft schonen. Es stehen Handlungsanweisungen für alle (un)möglichen Aufgaben und Probleme zur Verfügung (YouTube). Nachdenken und probieren ist kontraproduktiv und dauert zu lange. Bevor etwas wirklich oder real gemacht wird, läuft es durch eine Simulation – FB Posting. Netzintelligente Menschen lieben die Komplexität und können diese auf Stories und Bilder reduzieren. Das sind dann die Daten für unentscheidbare emotionale Entscheidungen der Menschen. Entscheidbares haben ohnehin schon Algorithmen erledigt.