DataPlant Riedersbach

Dataplant Riedersbach

Am 17. März 2017 fand die Pressekonferenz „Oberösterreich wird zur Daten-Drehscheibe für Mittel- und Osteuropa“ statt. Eingeladen war neben Dr. Michael Strugl, DDr. Werner Steinecker und Dipl. Jur. Matthias Rassbach auch DI (FH) Werner Pamminger. Im Mittelpunkt der Diskussion standen der Standortwettbewerb und die Herausforderungen an Rechenzentren. Das DataPlant Riedersbach als optimaler Standort wurde von DDr. Werner Steinecker vorgestellt.

Wirtschafts-Landesrat Michael Strugl sprach unter anderem über Digitalisierung, FTTH und den Fortschritt bei Glasfaseranschlüssen in Oberösterreich:

„Digitalisierung ist nicht nur mehr ein Hype oder eine Modeerscheinung, sondern beeinflusst nahezu alle Lebensbereiche. Insbesondere Wirtschaftsunternehmen müssen sich dieser Herausforderung stellen und sehen darin auch einen Wettbewerbsvorteil. Zusammenhängend mit der Digitalisierung werden wirtschaftliche Systeme zusehends komplexer. In den letzten Jahrzehnten genügte es, wenn man sein eigenes Unternehmen optimierte, die Arbeitsabläufe effizient gestaltete und standardisierte Methoden des Marketings benutzte. Genau dies geht in komplex-digitalisierten Unternehmen nicht mehr.

Ein Merkmal von digital-komplexen Wirtschaftssystemen ist deren Volatility (Unbeständigkeit). Produkte und Dienstleistungen die heute nachgefragt werden, sind morgen nahezu bedeutungslos. Wenn es bisher möglich war ziemlich genaue wirtschaftliche Planung (Personal, Finanzen, usw.) zu machen, so besteht heute eine große Uncertainty (Unsicherheit) diesbezüglich. Markt- und Meinungsforschungen wurden im vergangenen Jahrhundert zu einer unglaublichen Präzision entwickelt. Wenn man heute Wahlprognosen – basierend auf diesen statistischen Methoden – ansieht, liegt man oft völlig daneben. Auch Kundenbedürfnisse haben oft Ambiguity (Mehrdeutigkeit). Einerseits wird über den gläsernen Menschen geschimpft und andererseits hat jeder mindestens ein Smartphone.Oberösterreichische Unternehmen haben sich bereits auf diese Herausforderungen eingestellt und die digital-technische Herausforderung.

Neben der Technik sind dazu die entsprechenden gut ausgebildeten Mitarbeiter erforderlich. Auch hier hat die Politik demzufolge reagiert. Die FH Hagenberg ist mit Sicherheit der Dreh- und Angelpunkt der oberösterreichischen Digitalisierung. Wieder einmal sei in Erinnerung gerufen, welche Start-Ups von Absolventen gegründet wurde, die jetzt weltweit tätig sein – Catalyst, Runtastic, Fabasoft, usw. Junge Menschen brauchen eine Perspektive.

Die haben sie auf jeden Fall, wenn sie eine Fachhochschule absolviert haben. Es ist allerdings nicht erforderlich, dass alle einen sofortigen Hochschul-Abschluss haben. Der digitale Sense muss bereits in der Grundschule entwickelt werden. Oberösterreich hat dazu – im Rahmen eines Förderprogrammes – beschlossen, alle oberösterreichischen Schulen mit Glasfaser zu erschließen. Besonderes Highlight dabei, ist die HAK in Rohrbach, die bereits heute über LWL mit 1 Gbps angebunden ist. Das duale Ausbildungssystem, sowie das berufsbegleitende lebenslange Lernen werden sich zur Bildungskultur entwickeln. Eltern und Lehrer sind aufgefordert auch selber das ‚digital Life‘ vorzuleben.Sämtliches Bemühen der Unternehmen – um am Weltmarkt und der ist eben auch in Oberösterreich zu bestehen – ist fruchtlos, wenn nicht die entsprechende digitalisierende Infrastruktur bereitgestellt wird. Hier sieht sich die Politik und das Land OÖ in der Verantwortung.

Vor 10 Jahren wurde der oberösterreichische Glasfaser-Backbone – mit einer derzeitigen Länge von 7.000 km (inkl. BBI) errichtet. Zwischenzeitlich sind daran etwa 4.000 Access-Lines Dazu gehören alle oberösterreichischen Krankenhäuser, Gemeindeämter, 100 % aller höheren Schulen, Banken, Mobilfunksender und Industrie- und Gewerbekunden. Auch hier war das Land OÖ wieder entsprechend aktiv und bietet allen oberösterreichischen Unternehmen einen geförderten Glasfaseranschluss.

Auch die Arbeitswelt selber, ist einem intensiven Veränderungsprozess ausgesetzt. Gerade junge Menschen wollen und brauchen nicht mehr in dem Korsett zu arbeiten, wie es die Leistungsgeneration gemacht hat. Das heißt aber nicht, dass sie weniger leistungsorientiert sind. Sie haben mit den digitalen Medien eine derartige Breite an Möglichkeiten, dass sie auch bei weniger Arbeitszeit und mit weniger Bürostunden das gleiche und oft sogar mehr leisten können. Heimarbeitsplatz ist für viele junge Menschen eine Pflichtanforderung bei der Auswahl des Arbeitsplatzes. Dazu wieder braucht es in der eigenen Wohnung einen Breitband-Anschluss. Auch hier ist das Land OÖ wieder Vorreiter beim Breitband-Ausbau. Kleinere Provider und die Energie AG haben sich um die FTTH-Fördermittel beworben und völlig ausgeschöpft. Im Kalenderjahr 2017 werden voraussichtlich etwa 20.000 FTTH-Anschlüsse errichtet. Die Energie AG hat in der Mittelfristplanung 100.000 eingestellt und fokussiert sich ausschließlich auf den ländlichen Bereich.

Wenn das Wort Digitalisierung in den Mund genommen wird, meinen viele damit ein Smartphone zu haben würde schon reichen. Das genau ist es nicht. All diese Geräte würden nicht funktionieren, wenn es keine dahinterliegende Infrastruktur – wie eben ein Glasfasernetz und Mobilfunkeinrichtungen – gebe. Darüber hinaus ist auch noch die andere Seite zu berücksichtigen. Das sind die Rechenzentren. Wenn es bis jetzt üblich war seine Daten ‚irgendwo‘ in der amerikanischen Cloud zu speichern, so ist auch hier eine Trend-Umkehr notwendig. Die Daten müssen näher zum Kunden. Insbesondere ist das amerikanische Datenschutz-Recht in keinster Weise mit der europäischen und österreichischen Kultur kompatibel. Oberösterreichische Unternehmen brauchen Rechenzentrumsleistung im eigenen Land.“

DataPlant Riedersbach

DDr. Werner Steinecker, Generaldirektor der Energie AG Oberösterreich, informierte in der Pressekonferenz über den Kraftwerk-Standort Riedersbach und die wichtigen Voraussetzungen und Herausforderungen bei Rechenzentren:

„Rechenzentren benötigen Energie, Kühlung und Datenanschluss. Dazu ist ein Standort zu suchen, der das alles sicherstellt und darüber hinaus in einem politischen und sozialen Umfeld befindet. Geologische Faktoren – wie Hochwasserschutz, Erdbeben-Sicherheit – sind ebenfalls zu beachten. Derartige Standorte sind sehr selten und müssen wie Diamanten gesucht werden. Die Energie AG hat mit dem ehemaligen Kraftwerks-Standort Riedersbach hier nahezu eine Perle. Alle oben angeführten Bedingungen treffen dafür zu.

Das ehemalige Kohle-Kraftwerk in Riedersbach wurde aus ökonomischen Gründen stillgelegt. Qualifizierte Mitarbeiter/Techniker stehen zur Verfügung. Der wesentliche Kostentreiber für ein Rechenzentrum sind die Stromkosten. Energie wird, aufgrund der Abnahmecharakteristik (Bandabnahme ganzjährig), bereits günstig zur Verfügung gestellt. Die Netzkosten sind im regulierten Bereich und hängen von der jeweiligen Netzebene ab. Dabei gilt – je niedriger die Netzebene, umso günstiger der Preis. Daher sind Standorte wie ‚Nähe Umspannwerke‘ und noch besser ‚Am Kraftwerksareal‘ die besten. Resultierend aus der Stromversorgung werden zukünftige große Datacenter wahrscheinlich immer in Kombination mit Kraftwerken errichtet. Damit ist sichergestellt, dass eine Stromversorgung direkt aus dem Kraftwerk – also ohne Netztarif möglich ist. Kraftwerksstandorte – sofern es sich um thermische Anlagen handelt – haben immer auch eine Kühlwasserversorgung. Im Falle von Riedersbach kann das Alpine-Gewässer der Salzach herangezogen werden.

Aus der Kombination aus Kraftwerk und Datacenter entsteht eine neue Einheit die den Namen DataPlant zukünftig prägen wird. Die Energie wird nicht mehr zu den Rechenzentren transportiert. Damit entfallen aufwendige Netzanbindungen. Auf die Reise werden lediglich die Daten Dafür wiederum sind hochleistungsfähige, stark vernetzte Glasfasernetze erforderlich. Riedersbach zeichnet sich auch hier wiederum aus, weil es an der Ost-West-Achse aller paneuropäischer Daten-Highways zwischen Frankfurt und Wien liegt. Die wesentliche wirtschaftliche Kennzahl von Rechenzentren ist der PuE-Wert (Power Usage Effectiveness). Das ist das Verhältnis zwischen Stromaufnahme der Computer-Server und dem Gesamtbedarf an Energie des Rechenzentrums. Bei den derzeit in Betrieb befindlichen Rechenzentren rund um den Globus ist dieser Wert bei rund 1,45 PuE angesiedelt. In Riedersbach erreichen wir hier die gleichen Dimensionen wie ein Rechenzentrum in Alaska. Mit einem PuE kleiner 1,1 erreichet die Energie AG hier den Spitzenwert Mitteleuropas. Bei der Standortsuche der internationalen GaFa´s (Google, Apple, Facebook, Amazon usw.) ist, neben den bisher technischen Aspekten, ganz besonders das poltisch-stabile Umfeld Mit dem Sitz der UNO oder beispielsweise der OPEC in Österreich, sowie internationalen Referenzen – wie die Technologiefabriken von Sony oder auch der Marke Red Bull – ist die Energie AG hier gut und vertrauensvoll eingebettet.

Die Energie AG hat nunmehr mit diesem zweiten Projekt, nach jenem im Linz-Wegscheid und den Aktivitäten in Kronstorf rund um Google, viel Erfahrung gesammelt. Diese Informationsvorteile können bei weiteren Interessenten nicht nur weiter verwendet, sondern auch weitergegeben werden. Aktuell ist die Energie AG mit mehreren Unternehmen in Kontakt. Riedersbach eignet sich, aufgrund der weiteren verfügbaren Flächen, weitere Rechenzentren anzusiedeln, sodass diese Region zu einem Data-Campus der Energie AG von internationaler Bedeutung ausgebaut wird.“